Geschichte der Haarentfernung

 

Dass die Beseitigung der Körperbehaarung nicht nur eine moderne Zeiterscheinung ist, zeigt ein Blick in die Geschichte - ohne Frage wurde sie aktuell durch die Fernsehserie "Sex in the city" neu definiert und es führte zu einem regelrechten Boom.

 

Die ersten Zeugnisse einer bewussten Haarentfernung sind aus dem Zweistromland, aus Mesopotamien und Ägypten überliefert. Schon 4000 Jahre v. Chr. nutzten die Menschen Harze, Pflanzenextrakte, Fette und Pech, um bestimmte Körperregionen dauerhaft von Haaren zu befreien. Auch konnten spezielle manuelle Rasurtechniken mit Hilfe von Muscheln und geschliffenen Steinen nachgewiesen werden.

Die Enthaarung hatte sowohl rituelle als auch hygienische Gründe und entsprach dem Schönheitsideal jener Zeit. Haarlos galt als schön und unterschied den gepflegten Menschen der oberen Schichten von den Armen. Ägyptische Frauen ließen sich neben der gesamten Körper- und Schambehaarung auch die Augenbrauen entfernen.

Nicht nur in Ägypten, sondern auch im alten Griechenland galt Haarlosigkeit als ein Zeichen von bewusster Körperpflege und  Schönheit.


Im antiken Rom rückte der modische Aspekt der Enthaarung noch mehr in den Mittelpunkt. Es galt als schick, sich in den berühmten römischen Thermen ausgiebig der Körperpflege hinzugeben und sich hierbei natürlich auch um die eigene Körperbehaarung zu kümmern.

Die Achsel-, Bein- und Schambehaarung war Ziel jener ausgiebigen Körperpflege. Für römische Prostituierte war es Pflicht, ohne Schambehaarung zu sein, was wiederum vor allem hygienische Gründe hatte. Im alten Rom gab es verschiedene Methoden der Haarentfernung. Die Haare wurden mit Pinzetten oder scharfen Messern entfernt; die Verwendung von Kalilauge oder arsenhaltigen Mitteln war ebenso verbreitet wie auch der Einsatz von groben Handschuhen oder das Abreiben der Haare mit sandpapierähnlichen Scheiben.

 

Islamische Welt

Der Koran schreibt den Gläubigen eine rituelle Säuberung vor. Sauberkeit und Körperpflege nehmen einen natürlichen und wesentlichen Platz im Alltag eines gläubigen Muslims ein. Im Mittelalter breitete sich der Islam auch nach Westen aus und brachte auf diese Weise auch seine Reinlichkeitsrituale und Schönheitsideale bis nach Spanien und Nordafrika und in den gesamten arabischen Raum. Die islamischen Reinheitsregeln betrachten die Entfernung der Schamhaare als einen Teil der natürlichen und gottgewollten Modifikationen des menschlichen Körpers; hierzu gehören außerdem auch die Beschneidung, das Schneiden der Nägel und die Entfernung der Achselhaare. Jene Reinheitsregeln schreiben Muslimen vor, sich alle 40 Tage zu enthaaren.

 

Das aufsteigende Bürgertum des Mittelalters suchte nach eigenen Lebensformen als Ausdruck seines neuen Selbstbewusstseins. Mit der Rückkehr der Kreuzritter aus dem Morgenland wurde auch die Badekultur in Mitteleuropa wieder heimisch. In diesem Zusammenhang wurden die Körperpflege und damit auch die Enthaarung zu zentralen Themen der Hygiene und des neuen Schönheitsempfindens. Vor allem die Enthaarung des Schambereichs galt als schön. Neben dem Schneiden und Rasieren der Haare griff man auch zu einem eingedickten Sirup mit Terpentinzusatz – eine Mischung, die oft zu Hautreizungen führte. Dann brach die Pest aus, und der 30-jährige Krieg tobte in Europa. Die Badekultur ging nahezu völlig unter. Gemeinsame öffentliche Bäder galten als gefährliche Orte mit einer hohen Ansteckungsgefahr.

 

Die Epilation der Schamhaare fand erst im 18. Jahrhundert am französischen Hof wieder ihre Renaissance und setzte sich vor allem in den gehobenen Schichten der Gesellschaft durch. Im viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts galt es wieder als schick, im Schambereich nackt zu sein.

 

Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich kam auch in Deutschland die Entfernung der Schamhaare bei Frauen teilweise in Mode.  

 

In unserer heutigen Zeit ist der gepflegte Umgang mit dem eigenen Körper zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags geworden. Wir treiben Sport, achten auf richtige Ernährung, ausreichend Schlaf und eine gepflegte Erscheinung. In diesen Bereich der Körperpflege fallen natürlich auch die modischen und hygienischen Aspekte eines gezielten Haarmanagements. Die Enthaarung des Schambereichs, der Achseln, der Brust, Beine, Rücken und Po sind heute weit verbreitet und sowohl von Frauen als auch von Männern akzeptiert. Bei beiden Geschlechtern hat die Entfernung der Schambehaarung in den letzten Jahren eine weite Verbreitung gefunden und stellt heute vor allem bei jungen Menschen eher die Regel als die Ausnahme dar. Wie eine wissenschaftliche Studie der Universität Leipzig im Jahr 2008 zeigte, entfernen sich 88 % der Frauen und 67 % der Männer in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen (Durchschnittsalter: 23 Jahre) regelmäßig ihre Schambehaarung.